Aufwachen durch Corona

"Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden." (Psalm 90,12) -

 

[Christoph Hueck:]  Das unsichtbare und doch so machtvolle Coronavirus wirft tiefgreifende Fragen auf. Es fragt nach der Priorität der Werte, nach dem Verhältnis zu Sterben und Tod, nach dem Verständnis der Natur.

Mit den Maßnahmen gegen Corona versucht man, etwas zu kontrollieren und zu „besiegen“, was ein Teil des lebendigen Gesamtorganismus Mensch-Erde ist. Auch das Coronavirus gehört zur Natur. Aber es bedeutet bei Weitem nicht nur Krankheit und Tod, sondern für den allergrößten Teil der Infizierten eine Stärkung ihrer Immun- und Lebenskräfte.

 

Man bekämpft das Virus, weil es uns den Tod, den wir so gerne ausblenden, vor Augen führt. Wer macht sich schon bewusst, dass jedes Jahr in Deutschland annähernd eine Million Menschen sterben, rund 80.000 pro Monat, über 2.600 an jedem einzelnen Tag!

 

Für das das materialistische Denken ist der Tod die absolute Negation des Daseins. Diese Haltung steht hinter der Rechtfertigung der Bundeskanzlerin für die Corona-Maßnahmen: „Wenn am Tag 200 oder mehr Menschen [sterben], dann sind das doch Zahlen, die uns nicht kalt lassen können; denn dahinter steht jeweils ein menschliches Schicksal und stehen eine Familie, Angehörige und Freunde, die trauern.“ [1] Frau Merkel bringt es auf den Punkt. Doch was für eine dünne, ja armselige Begründung! Als ob es ein Leben ohne Trauer und Tod geben könnte.

 

Hat denn ein Großteil der Menschen vergessen, dass wir am Leiden wachsen? „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Ist von diesem Bewusstsein nichts mehr geblieben? Haben uns der Materialismus und der Wohlstand so vollkommen betäubt und verschluckt, dass wir nichts mehr von unserer wahren Existenz fühlen?

 

Es ist das Haben, an dem wir festhalten, und wir vergessen darüber das Sein. Der weltweite, alles durchdringende und alles bestimmende Egoismus ist der Kern der Corona-Krise. Denn das Ego definiert sich durch das Haben und hält an ihm mit aller Macht fest. Aber irgendwann muss man loslassen. Wer das tut, verliert sich, stirbt… Aber nur scheinbar, denn er erwacht im Sein. Corona kann uns das lehren. Dann wird die Krise zur Chance.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Christoph Hueck

 

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