Zur Diskussion um eine angeblich fehlende Distanzierung von Rechtsradikalen

[Christoph Hueck:] Wer meint, dass sich die Demonstranten in Berlin und anderswo nicht von rechts- oder linksradikalen Auffassungen distanzieren, der war offensichtlich noch auf keiner Querdenken-Demo selbst dabei. Michael Ballweg und andere Organisatoren haben sich immer ganz eindeutig und von vorne herein von allen rechts- und linksradikalen Auffassungen distanziert. WIR SIND EINE FRIEDLICHE UND FREIHEITSLIEBENDE BEWEGUNG, DIE FEST AUF DEM BODEN DES GRUNDGESETZES STEHT UND DIE GEGENWÄRTIG SOGAR STÄRKER FÜR DAS GRUNDGESETZ EINTRITT ALS DIE MEHRHEIT DER POLITIKER, DER MEDIEN UND DER BEVÖLKERUNG. Also wozu die unsinnige Diskussion? Sie dient nur dazu, die Demonstranten zu verunglimpfen und für die politische Auseinandersetzung eindeutig negativ zu brandmarken. Das ist so durchschaubar, dass man sich wundern muss, wie viele Menschen solcher Propaganda auf den Leim gehen. Offensichtlich hat unser Bildungssystem seinen Auftrag, mündige und kritische Bürger zu erziehen, in allergrößtem Maß verfehlt. Und offensichtlich kommen die Mainstream-Medien ihrem Auftrag, informativ und aufklärend zu wirken, nicht nach, sondern arbeiten in höchstem Maße manipulativ. Wie können Journalisten und Redakteure solche Propaganda, gerade in Deutschland, unterstützen? – Das alles führt allerdings dazu, dass immer mehr Menschen für die Verzerrung der Realität, die wir gegenwärtig erleben, aufwachen und sich immer deutlicher dagegen positionieren. Wir haben eine neue, aktuell noch außerparlamentarische Opposition in Deutschland, die trotz aller Verleumdungen und Beschimpfungen nicht mehr verschwinden wird. Im Gegenteil: Je weiter die öffentlichen Verleumdungen getrieben werden, desto stärker wird unsere Bewegung wachsen. Und an jeden Einzelnen stellt sich die Frage immer deutlicher: Willst du weiterhin den offiziellen Unwahrheiten folgen oder dich für die Wahrheit entscheiden und für sie einsetzen?

 

P.S. Übrigens hat selbst der Verfassungsschutz bestätigt, dass nur "einzelne Angehörige" aus dem rechtsextremen Spektrum an der Berliner Demo teilgenommen haben, und dass von diesen kein "prägender Einfluss auf den Demonstrationszug oder die Gesamtkundgebung" ausging. Auch hinterher beobachtete Versuche von Rechtsextremen, die Versammlung für sich zu vereinnahmen, hätten "keine erkennbare Resonanz" gefunden. "Insofern resultierte aus der Kundgebung für die traditionelle rechtsextremistische Szene keine nennenswerte Anschlussfähigkeit an demokratische Kundgebungsteilnehmer", sagen die Verfassungsschützer. 

(www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-demo-nur-einzelne-rechtsextreme-16894746.html?GEPC=s2)

 

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Kommentare: 16
  • #1

    MH (Sonntag, 09 August 2020 13:54)

    Es stellt sich darüber hinaus die Frage, ob nicht sogar „nachgeholfen“ wird, um die erwünschten skandalösen Bilder zu erzeugen:
    https://www.youtube.com/watch?time_continue=400&v=tJgXYXPQJ24&feature=emb_logo
    (Verlinkt von Rubikon)

  • #2

    Cornelis Bockemühl (Sonntag, 09 August 2020 14:49)

    Mich erinnert diese Demo-Situation in Deutschland enorm an die Zeit in den 70-ern, wo ich als Teenager/beginnender 20-er an Umwelt- und Anti-AKW-Demos dabei war: Auch da konnte man jeweils am nächsten Tag in den Zeitungen die wildesten Unterstellungen lesen, auch da wurden Teilnehmerzahlen krass nach unten "korrigiert" - und auch da gab's eine zum Teil untergeschobene, zum Teil aber auch reale Vereinnahmung. Nur dass es damals nicht "Rechte", sondern "Linke" waren.

    Schon damals habe ich mich gefragt, was "links" mit "Umwelt" und "Anti-AKW" zu tun haben soll (zumal man in sozialistischen Ländern nicht die Spur mehr Rücksicht auf die Umwelt nahm!), aber dennoch hat die Vereinnahmung erstaunlich gut funktioniert: Noch heute verstehen sich viele "Grüne" auch irgendwie als "Linke" - oder man redet salopp vom "links-grünen Lager". Ich würde auch sagen, dass die "Grünen" seither entsprechend auch unter einer ungesunden Staatsgläubigkeit leiden.

    Klar, macht alles nicht sehr viel Sinn, aber gefährlich ist es doch! Die heutigen Demonstrationen treten ja für individuelle Freiheit und Verantwortung und gegen paternalistische staatliche Bevormundung ein. Wenn es gelingt, diese Impulse mit Nationalismus und Rassismus wirkungsvoll und dauerhaft zu verknüpfen und zu verseuchen, dann hätten die Gegner dieser Bestrebungen mehr erreicht als nur ein wenig leicht durchschaubare Verleumdung und eine polizeilich aufgelöste Demo, die letztlich ja nur Sympathiepunkte einbringt!

    So gesehen sollte man diese Sache nicht auf die ganz leichte Schulter nehmen. Dass gerade viele Grüne die Anliegen der Demos jetzt nicht verstehen ist für mich ein Symptom dafür, dass es mit der Zeit eben gründlich gelungen ist, die damalige Umweltbewegung von ihrem ja ebenfalls auf persönlicher Eigeninitiative beruhenden Ursprungs-Impuls immer mehr zu entfremden.

  • #3

    B. Schenk (Sonntag, 09 August 2020 15:47)

    Sehr geehrter Herr Hueck,
    vielen besonderen Dank für Ihre klaren Worte, denen ich zustimmen kann und die sowohl den Ernst der Lage, als auch die klaren Chancen die darin liegen, beschreiben. Ebenso Ihr Daraufhinweisen, dass ein bisheriges Bildungssysthem und ein objektiver Journalismus, wohl bis jetzt versagt haben, um mündige Bürger und selbstdenkende Menschen zu "wollen".

  • #4

    Hans Wagenmann (Sonntag, 09 August 2020 17:11)

    Sehr geehrter Herr Hueck,

    Es bleibt kaum eine andere Möglichkeit, als ihnen nochmals zu antworten. Sie zeigen mit
    ihrem Beitrag deutlich, in welcher Weise Sie auf Kritik eingehen. Das ist ihr gutes Recht. Aber warum fällt es schwer, sich von dem benannten Kräften deutlicher zu distanzieren und Kritik, die ein Teil jeder Auseinandersetzung, jeder Diskussion sein kann, eben nicht
    als Diffamierung aufzufassen.

    Um meinen Standpunkt in Bezug auf eine fehlende Distanzierung extrem rechten Kräften innerhalb der Querdenken-Bewegung zu verdeutlichen, möchte ich auf den Redebeitrag von Michael Ballweg auf der Kundgebung am 1.8. eingehen, der auf den Seiten
    der Querdenken-Bewegung abzurufen ist. Dort ab 5.20Min in seiner Rede, nachdem er sich
    von Rechten, wie Linken abgegrenzt hat, kommt der auf "Q" zu sprechen, das für den QAnon-Mythos steht, einem in großen Teilen extremistischen Verschwörungsmythos, die er als eine Gruppe von Fragestellern beschreibt, die zum Nachdenken und Recherchieren aufruft, um danach direkt zur Querdenken-Bewegung überzugehen. Für was steht aber QAnon? Für einen Verschwörungsmythos, der u.a. Eliten unterstellt in unterirdischen Kellern Kinder sexuell zu mißbrauchen, um später dann von ihrem Blut zu trinken, um sich zu verjüngen. Wieso wird dieser extrem rechte Verschwörungsmythos verharmlost und ihm Raum gegeben, er in einen Zusammenhang, der zumindest in dem Redebeitrag von Michael Ballweg zu interpretieren ist, zu der Querdenker-Bewegung gestellt? Es sollte deutlich sein, dass es sich nicht um eine Diffamierung handelt, die sie mir für andere Beiträge unterstellen, sondern um zu deutende und bemerkbare Zeichen. Ich kann an diesen nicht
    folgenlos vorbeigehen. An dieser Stelle zu schweigen ist für mich keine Wahl.

    Es geht mir nicht um eine Diffamierung ihrer Anliegen, auch wenn ich diesen nicht zustimme und es so für mich keinen Sinn macht, an einer Demonstration teilzunehmen, sondern um eine Abgrenzung von extrem rechten und verschwörungstheoretischen Mythen, die wohl doch, zumindest in Berlin Teil der Demonstration und der anschließenden
    Kundgebung war. Dies würde ihr und das Anliegen vieler anderen in diesen Diskussionen um die Corona-Krise keineswegs schmälern, sondern stärken. Erschwert wird diese Diskussion erneut, wenn nicht beinahe verunmöglicht aber durch ihre massive Unterstellung der Manipulation und ihrer extrem pauschalisierenden Sichtweise der momentanen, öffentlichen Auseinandersetzung um die Demonstration und Kundgebung am 1.8.

    Hans Wagenmann

  • #5

    Waldorfschüler (Sonntag, 09 August 2020 18:51)

    Sehr geehrter Herr Hueck,

    die anfänglich sehr kritischen Stimmen auf erziehungskunst.de sind bereits recht früh verstummt. Die Filderklinik verweist auf das RKI als seriöse (sic!) Quelle in Corona-Fragen. Was ist da los? Sind die genannten Institutionen so in den Interessen des Mainstreams gefangen, dass die Akanthos Akademie als verbleibender Hort des Anthropsophischen Widerstands gegen die Hygienediktatur zu sehen ist? Auch das Akademie-Mitglied A. Neider ist scheinbar verstummt oder doch zumindest weniger sichtbar als noch im März und April.

    Gibt es in diesen Zeiten eine Art Arbeitsteilung zwischen den Anthroposophischen Organisationen?





  • #6

    Christoph Hueck (Sonntag, 09 August 2020 19:23)

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    bitte geben Sie fairerweise bei Kommentaren Ihren vollen Namen an.
    MfG, C. Hueck

  • #7

    Martin-Ingbert Heigl (Sonntag, 09 August 2020 23:09)

    Lieber Herr Wagenmann,
    Michael Ballweg sagt an der von Ihnen genannten Stelle, dass „Q“ für ihn für „question=Frage“ steht und erteilt dann allen Hoffnungen, Donald Trump könne es für uns richten, eine Absage.
    Jeder, der weiß, dass QAnon Trump als Erlöser ansieht, kann das nur als eine klare Distanzierung verstehen.
    Mit kollegialen Grüßen
    Martin-Ingbert Heigl
    www.widar.de

  • #8

    Andreas Neider (Montag, 10 August 2020 07:44)

    Das Akademie-Mitglied Andreas Neider ist momentan im Urlaub, wird sich aber demnächst wieder zu Wort melden.
    Die letzten Wochen waren wegen der von unserer Agentur organisierten pädagogischen Sommerakademie unter Corona bedingten Umständen sehr arbeitsintensiv!

  • #9

    Marita Bonacic (Montag, 10 August 2020 11:24)

    Nochmals Danke Herr Hueck für Ihren Einsatz und die sehr guten Reaktionen. Auch für die Bitte den vollen Namen zu nennen. Das hatte mich auch gestört. Denn die zum Teil ziemlich unerträglichen Beiträge, von noch dazu feigen, anonymen Menschen, empfinde ich als Zumutung. Mit gesundem Menschenverstand kann man an Ihren Beiträgen nichts aussetzen. Manche Menschen haben nicht die persönliche Reife um mit ihnen/uns als Erwachsener zu Erwachsener auf Augenhöhe zu sprechen. Da ist jedes Reden "Perlen vor die Säue werfen" und unnötige Energieverschwendung. Das erwähnte ich ja auch sinngemäß schon in meinem Beitrag auf Ihr Video der Demonstration hin. Leider konnte ich mich jetzt nicht ganz enthalten, da ich manche Beiträge ungeheuerlich finde. Und solche Menschen glauben dann noch sie wären die richtigen Anthroposophen. Das ist einfach sehr traurig.
    Liebe Grüße
    Marita Bonacic

  • #10

    Johanna Mall (Montag, 10 August 2020 16:04)

    Für mich stellt sich seit Wochen die Frage, wie ich mir ein wirklich wahrheitsgemäßes Urteil zu allem, was dieses Virus betrifft, bilden kann. Die Diskussionen kranken für mich daran, dass zu wenig Fragen gestellt werden und zu viele Antworten gegeben. Dadurch entsteht der Eindruck, man habe „die Wahrheit“ erkannt, was gleich bedeutend damit ist, dass alle anderen diese Wahrheit nicht besitzen, und schon ist man nicht mehr im Dialog, sondern in der „Lagerfalle“, wo nur noch Meinungen und Ansichten hin und her geworfen werden. Allen, die der eigenen Meinung nicht folgen, wird dann in verunglimpfender Weise wahlweise „Idiotie“ (von der einen Seite) bzw. „Schläfertum“ und „gebraucht endlich euren Verstand“ (was unterstellt, dass alle, die nicht der eigenen Argumentation folgen, ihren Verstand nicht gebrauchen, was sehr in die Nähe von „Idiotie“ kommt) von der anderen Seite an den Kopf geworfen.
    Ich möchte gerne einen anderen Weg vorschlagen: Wie wäre es, wenn diese Bewegung weniger plakativ auftreten würde (auch mir stellen sich die Nackenhaare angesichts des Gebrauchs des Begriffs „Freiheit“, so plakativ und allgemein darf man damit nicht umgehen), wenn ihre Fürsprecher auch Verständnis zeigen würden für die Menschen, die sich z.B. von den Maßnahmen geschützt fühlen, warum auch immer. Man würde dadurch viel weniger Angriffsfläche bieten, der anderen Seite nicht ständig Gelegenheit zu Diffamierung bieten (man kann sich hinterher ja auch wieder so schön darüber empören), und ein Nebeneffekt wäre vielleicht, dass andere Gruppierungen, mit denen man nicht gerne in einem Atemzug genannt werden will, plötzlich Abstand halten, weil diese eben nur plakativ können.
    Ob man dann auch die Presse/Medien wieder mit ins Boot holen könnte? Realistisch betrachtet wohl eher nicht, was für mich eine der größten Ent-täuschungen ist. Die Presse/Medien schalten sich selbst gleich, das ist erschreckend und toppt das gleichgeschaltet werden früherer Zeiten. Ich stelle immer wieder fest: ein Gutes hat das alles: ob es der nächste Mitmensch am Arbeitsplatz, die Nachbarin, der Bürgermeister im Ort, die „Grünen“, die Presse oder, oder, oder … ist: Es kommt ein Stück Wirklichkeit ans Licht. Wenigstens!

  • #11

    Hans Wagenmann (Dienstag, 11 August 2020 10:27)


    Der Wortlaut der Rede von Michael Ballweg, am 1.8. in Berlin lautet, für die von
    mir erwähnte Stelle lautet:

    "Ich habe auch viele Kommentare gelesen, das Donald Trump alle rettet und dann
    enttäuscht waren, als der die Maskenpflicht eingeführt hat. Und für mich steht das
    "Q" für das englische Wort Question, eine Gruppe von Fragestellern, die uns zum
    Nachdenken und Recherchieren anregen, weil Querdenken heißt für mich: Eigenverantwortung!, Selbstbestimmung!, Liebe!, Freiheit!, Frieden! und Wahrheit!"

    Anzumerken ist, dass das "Q", als Kürzel für "QAnon" gilt und benützt wird. So erscheint
    mir meine Interpretation im vorherigen Diskussionsbeitrag weiter als nicht abwegig.
    Aber machen Sie sich ihr eigenen Bild.

    Hans Wagenmann

  • #12

    Christoph Hueck (Dienstag, 11 August 2020 14:56)

    Noch einmal die Bitte, dass Sie Ihre Beiträge fairerweise mit Ihrem vollen Namen kennzeichnen. Außerdem wäre es nett, wenn Sie möglichst unpolemisch schreiben. Inhaltliche Beiträge, auch kritischer Art, sind immer willkommen. Verleumdungen, dass ich Sympathien für rechtsradikales Denken hätte, veröffentlichen wir nicht.

  • #13

    Cornelis Bockemühl (Mittwoch, 12 August 2020 11:37)

    @Hans Wagenmann

    Die Distanzierung von "rechtem" Gedankengut glaube ich Christoph Hueck ja absolut, aber zugleich muss ich Ihnen auch zustimmen in Bezug auf diese Stelle in der Rede von Michael Ballweg: Das klingt zumindest sehr doppeldeutig und zwiespältig! Ich kenne Michael Ballweg und seine gegenwärtigen oder vielleicht auch früheren Denkweisen nicht, sodass ich ihm da auch nicht etwas unterschieben möchte nur aufgrund dieser Aussagen. Aber eben - sehr seltsam klang das für mich auch, und ich stimme mit Ihnen voll überein mit der Ansicht: So etwas sollte eigentlich an solch einem Ort nicht gesagt werden, denn Doppeldeutigkeiten sind immer gefährlich.

    Bezug nehmend auf meinen ersten Kommentar illustriert das jetzt aber auch ein Dilemma, welches mir ebenfalls von "damals" hochgradig vertraut ist! Auch damals hat man sich regelmässig von "Linken" distanziert und betont dass die Bewegung "politisch neutral" ist. Und man muss ja auch zugestehen dass über die Jahrzehnte die Wirkung sehr vielfältig war: aus der "Stimmung der 70-er" ist ja nicht nur die grüne Partei hervor gegangen mit ihrem "links-staatsgläubigen Drall", sondern es sind auch reihenweise Bio- und Demeterhöfe aufgebaut worden, Waldorfschulen, aber auch überhaupt Umweltvorschriften sind in Gesetze gegossen worden und selbst in vielen Firmen hat man entdeckt dass Nachhaltigkeit nicht einfach wirtschaftsschädlich ist, sondern oft genug auch ganz im Gegenteil.

    Aber was konnte man tun wenn der "Linke", von dem man sich gesinnungsmässig eben distanziert hat, nun einfach die treibende Kraft hinter gewissen Aktionen ist? Seien es Demos, Ostermärsche, Baugelände-Besetzungen usw. Sollte man dann die Veranstaltungen hintertreiben und davor warnen? Sich in Grabenkämpfe innerhalb einer vielfältigen Bewegung einlassen - und damit auch sehr viele positive Früchte gefährden? Irgendwann vielleicht schon - aber wann? "Wehret den Anfängen" oder erst wo untragbare Gesinnungen einer Sache einen deutlichen "Drall" geben?

    Ich weiss es so genau auch nicht - da muss wohl auch letztlich jeder selber ein Stück weit seine eigene Rechnung machen! Aber vielleicht auch nicht nur Leute analysieren und kritisieren, sondern einfach schauen, ob die eigenen, für richtig befundenen Impulse in einem gewissen heterogenen Kontext noch Früchte tragen können oder nicht.

    Steiner hat ja auch in sozialistischen Arbeiterkreisen Kurse gegeben. Nicht weil er Sozialist war, sondern weil da bei gewissen Menschen eine Offenheit vorhanden war. Und irgendwann kam dann halt der Punkt wo es einfach nicht mehr ging - und dann hat er eben aufgehört.

  • #14

    Rudolf Gross (Mittwoch, 12 August 2020 20:51)

    Guten Abend, dachte Herr Wagemann wollte aussteigen? Vielleicht dient ihm folgendes: Dieser Artikel markiert eine Trendwende der Berichterstattung. das RKI, das ja zusammen mit Drosten in den letzten Monaten nahezu den Rang der Unfehlbarkeit errungen hatte, dem wird einmal mehr eklatantes Versagen nachgewiesen.
    https://taz.de/Streit-um-Corona-Politik/!5701892/?goMobile2=1596672000000

  • #15

    M. Günther (Freitag, 14 August 2020 00:37)

    Der letzte Satz von Herrn Hueck im Kommentar 12 ist nach meiner Meinung sehr wichtig als eindeutige Aussage (Verleumdungen ...), denn das obige Thema hat eine spezielle Tiefendimension, die jede Individualität mit anthroposophischer Gesinnung berührt. Man darf das hier Gemeinte keinesfalls als unbequem irgendwie nur zur Seite schieben, das wäre unangemessen gegenüber diesem "Gefahrenstoff". Das beste Mittel dagegen ist Offenheit, Transparenz bezogen auf das eigene Menschsein und dem dazugehörigen Denken, weil wir alle die (Geistes-)Gegenwart in uns tragen. Sie führt uns richtig, wenn wir ihr verantwortungsvoll vertrauen und mutig neu denken. Dieses positive gegenwartsbezogene Denken ist in der hiergemeinten komplexeren Angelegenheit (mit großem Ernst ausgesprochen) existenziell entscheidend.
    Wir leben in einer völlig anderen Zeit im Vergleich vor hundert Jahren und mehr; mit Blick auf die nächsten dreißig Jahre und darüber hinaus wird sich das, steigernd, tätlich ohne Wenn und Aber schonungslos offenbaren.

    Kommunikation heutzutage, das ist eine (weiterhin primär positive) Herausforderung und betrifft genauso das "Gemüt". Ich habe für entsprechende hilfreiche Verhaltensformen kein Patentrezept. Aber ich bin von der Aussage überzeugt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie verlangt differenziertes ergebnisoffenes Kennenlernen. "Schwarz-weiß-Urteile" stören vielfach Respekt und Hochachtung (sorry für dieses "altmodische" Wort) hinsichtlich unserer Mitmenschen.- Und was ist in diesem Zusammenhang Wahrheit? Natürlich lässt sich das definieren. Aber wir steigen hier ein in komplizierte Zusammenhänge, wenn letzten Endes biografische Tatsachen hineinspielen.

  • #16

    Maria Attanasio (Donnerstag, 20 August 2020 18:16)

    Lieber Herr Wagenmann,
    ich habe den Eindruck bekommen, dass Sie sich sehr sorgen um die Bewegung des Widerstandes gegen die Corona-Maßnahmen. Ihre Eindringlichkeit hat mich sehr berührt. Sie befürchten, vermuten oder unterstellen ihr - mindestens - die Förderung rechten Gedankengutes, weil führende Menschen sich dort, Ihrer Meinung nach, zu wenig davon distanzieren. Ist es aber nicht so, dass erst das Maß eine Sache giftig macht? Ist nicht das Extreme das eigentlich Kranke? Um es bildhaft darzustellen: Ich stelle mir ein Kreuz vor, um dessen Mittelpunkt ich einen Umkreis bilde. Dieser Umkreis hat, wenn er nicht zu weit genommen wird, noch einen Bezug zum Mittelpunkt. Weiche ich ganz weit davon ab, wird es immer extremer; die Entfernung zum Mittelpunkt wird größer, bis das Gleichgewicht ins Wanken kommt (wie bei einer Waage). Das wäre dann der Moment, wo etwas ungesund und zerstörerisch wird.
    Nachdem ich sowohl von Herrn Hueck, wie auch von Herrn Ballweg verschiedene Vorträge gehört habe, davon einige durch persönliche Anwesenheit, kann ich nur sagen, dass ich in keiner Weise einen Anhaltspunkt gefunden habe, der mich zu dem Urteil kommen lässt, dass diese auch nur annähernd mit solchem Extremismus zu tun haben. Im Gegenteil, beide betonen die Bedeutung des geistigen Lebens durch Meditationspraxis. Herr Hueck leitet einen Meditationskreis im Rudolf SteIner-Haus in Stuttgart, Ballweg spricht von der Bedeutung der Meditation in seinem Leben in einem Interview mit Kai Stuht. Seine Rede in Hamburg (15.8.) beendete Ballweg mit einem Gedicht von Friedrich Schiller. Dass Bodo Schiffmann dort seine Rede singend mit der Nationalhymne endete, dürfte auch nicht als rechtsextrem bezeichnet werden. Es würde den Politikern nicht schaden, dieses Lied zu üben.
    Aus diesen meinen Eindrücken heraus ist es für mich glaubhaft, dass Ballweg mit dem Q bei Querdenken genau das meint, was er sagt, dass es nämlich für ihn mit „Fragen“ zu tun hat und mit nichts anderem. Der Zusammenhang, den Sie herstellen, entspringt ihrem Gedanken, Ihrer Vermutung, Herr Wagenmann; die machen Sie.
    Wenn Sie wirklich daran interessiert sind, ob die Bewegung Querdenken 2020 mit rechtsextremem Denken zu tun hat, dann machen Sie sich doch immer wieder vor Ort ein Bild, sprechen Sie mit den Menschen.
    Ich wünsche Ihnen auf Ihrem Weg alles Gute, vor allem viel Einsicht in die Dinge und das Geschehen.
    Maria Attanasio