Von der Protestbewegung zur Zukunftsgestaltung

[Christoph Hueck:] Rechtsradikale Ansichten, wie sie leider, wenn auch in verschwindend kleiner Minderzahl, auf der Berliner Corona-Demo sichtbar waren, sollte man keinesfalls verharmlosen. Aber man sollte sie auch nicht einseitig überbewerten.

 

Vor 40 Jahren wurde mit genau derselben einseitigen und tendenziösen Art von Berichterstattung versucht, die Anti-AKW- und die Friedensbewegung, aus denen die Grünen hervorgegangen sind, klein zu machen. Nur war es damals nicht die rechts-, sondern die linksradikale Ecke, in die sie gestellt wurden. Es waren genau dieselben Warnungen und Behauptungen von Staats- und Demokratie-Gefährdung wie wir sie jetzt hören. Doch was damals als Teufel und drohender Untergang an die Wand gemalt wurde, ist heute Mainstream.

 

Und so wird es auch mit den Anliegen der aktuellen Protestbewegung sein, so sehr sich die "Guten im Lande" auch darüber aufregen. Freiheit, mehr demokratische Mitsprache und demokratische Kontrolle, und schließlich auch ein liebevolleres, d.h. solidarischeres und ökologischeres Wirtschaftssystem werden kommen, weil sie von den Menschen gewollt sind.

 

Für mich ist die Frage nicht, ob die Anti-Corona-Bewegung staatsgefährdend ist, denn das ist doch eine ganz offensichtliche Übertreibung. Weder wird die Bundesregierung zurücktreten, weil Michael Ballweg es fordert, noch wird die Demokratie gefährdet oder der Rechtsstaat unterlaufen, weil ein paar verrückte Leute auf der Reichstagstreppe Fähnchen schwenken. Meine Frage ist vielmehr die, ob es gelingt, nicht nur eine Protestbewegung zu bleiben, sondern Zukunftsideen aufzunehmen, und ob der aktuelle (r)evolutionäre Elan weit genug trägt, um sie zu verwirklichen.

Es gibt diese Zukunftsideen überall in unserer Gesellschaft, aber es fehlt noch an breiter, demokratischer Unterstützung und an politischem Willen, sie umzusetzen. Ich glaube aber, dass die Zeit reif dafür ist.

 

Die Corona-Krise ist ein Katalysator für die Impfstoffindustrie und für die weitere Digitalisierung und Kontrolle aller Lebensbereiche. Meine Hoffnung ist, dass sie auch als Katalysator für einen gesellschaftlichen Transformationsprozess wirken wird, hin zu einer menschen- und naturgemäßeren Lebensweise.

 

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - oder, wie es auf den Demo-Transparenten oft zu lesen ist: Freiheit, Demokratie, Liebe - sind die Forderungen der Zeit.

 

In erweiterter Form heißen sie:

* Freiheit im geistig-kulturellen Bereich, in Bildung, Forschung und Wissenschaft, in Medizin und Gesundheitswesen, etc.,

* Gleichberechtigung, d.h. demokratische Mitsprache und Kontrolle im politischen Bereich,

* Solidarität und Kooperation im sozialen und wirtschaftlichen Bereich, sowie

* Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur.

 

Ich bin davon überzeugt, dass dies die Ideale einer neuen Gesellschaftsform sein können und werden. Ich glaube, dass wir sie dringend brauchen. Und ich hoffe, dass uns gerade die aktuelle Krise die Kraft geben wird, sie zu verwirklichen.

 

Christoph Hueck

 

 

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Kommentare: 13
  • #1

    Ria Palmer (Montag, 31 August 2020 15:07)

    Das hoffe ich auch und daran versuche ich auch mitzuarbeiten,
    in mir und auch um mich herum.
    Danke für diesen Beitrag.
    hoffnungsfrohe Grüße
    Ria Palmer

  • #2

    Günter Stahl (Montag, 31 August 2020 22:32)

    LIeber Christoph
    Daran arbeiten viele mit.
    Danke für diesen Beitrag.
    Herzliche Grüße
    Günter Stahl

  • #3

    Waltraud Weber (Montag, 31 August 2020 22:47)

    Das haben Sie wunderbar formuliert, Herr Hueck! Und es ist gut, an die Anti-AKW- und die Friedensbewegung zu erinnern, welcher, wie heute der Querdenken-Bewegung, anfangs nur Steine in den Weg gelegt wurden. So titelte die BZ am 1.9.2009 "Atom-Chaoten stürmen Reichstag". Das waren AktivistInnen von Greenpeace, einer heute weltweit anerkannten Organisation!

  • #4

    Michael Christian Gerhard Günther (Dienstag, 01 September 2020 21:22)

    Mein Tipp an die jüngere Leserschaft obigen Beitrags.

    Politik hat ihren Stellenwert in unserer Gesellschaft. Jeder Bürger trägt innerhalb unserer parlamentarischen Demokratie in diesem Sinn konkrete Verantwortung. Wer gesellschaftliche Veränderungen durchsetzen will, darf sich unter anderem politisch engagieren. Das ist für viele Mitbürger ein Beruf und anspruchsvolle Initiative.- Prinzipiell finden Sie in den Parlamenten keine Feinde trotz diverser erheblicher Meinungsunterschiede. Im Gegenteil, und frischer Wind tut jedem gut.

    Die oben gewünschten Veränderungen bedürfen eines Konsens der Mehrheit in der Bevölkerung. Das ist zu berücksichtigen und sinnvoll nur über besonnene Öffentlichkeitsarbeit erreichbar. Schritt für Schritt Reformprozesse so mitgestalten, darum handelt es sich zuerst (meine Meinung). (Denn was wäre die Alternative? Und wo sind die "Führer" für solche Alternative? Und was würde die Mehrheit der Bevölkerung diesbezüglich tun? Wir begegnen hier der Basis, zusätzlich tatsächlichen Macht unserer Demokratie und dementsprechend überall das dafür erforderliche Bildungspotential. Wer das unterschätzt (abwertet), der isoliert sich und wird zur Seite gedrängt).- Aber warum die ganzen teils sich zuspitzenden Probleme in der heutigen Zeit?- Wer den Mut, die Freiräume innerhalb seiner Sozialisation und Motivation dafür besitzt kann sich öffentlich in einem Lernprozess für seine innersten Überzeugungen einsetzen. Und grade diese Ehrlichkeit findet Anerkennung. Es gibt kongenial die kollektiven Lernprozesse in unserer Gesellschaft. Wir leben außerdem in einer Zeit, während der wir unser Verhältnis zur Natur überdenken müssen; insofern stehen wir vor größeren Richtungsentscheidungen.

  • #5

    Ursula Wefelscheid (Mittwoch, 02 September 2020 11:03)

    http://www.deutschlandfunk.de/proteste-gegen-corona-auflagen-warum-esoteriker-zusammen.1939.de.html?drn:news_id=1168284

    Ich halte diesen Artikel nicht für eine einseitige und tendenziöse Art von Berichterstattung.
    Ein Trauerspiel, wohin die Anthroposophie zur Zeit abrutscht.


  • #6

    Christoph Hueck (Mittwoch, 02 September 2020 15:27)

    Sehr geehrte Frau Wefelscheid,
    in dem von Ihnen verlinkten Artikel ist gar nicht von der Anthroposophie die Rede.
    Um sich ein eigenes differenziertes Urteil zu bilden, könnten Sie die Einträge, die wir seit Mai in diesem Blog gemacht haben, einmal lesen. Nirgendwo finden Sie rechtes oder gar radikales Gedankengut, aber überall rationale, begründete und fast immer auch mit Quellen belegte Gedanken zur aktuellen Krise.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Christoph Hueck

  • #7

    Elsbeth Weymann, Berlin (Mittwoch, 02 September 2020 18:06)

    Sehr geehrter Herr Prof.Hueck,
    Ihre Worte :..."weder... noch wird die Demokratie gefährdet oder der Rechtsstaat unterlaufen, weil ein paar verrückte Leute auf der Reichstagstreppe Fähnchen schwenken." ( s.o.)---Wenn Sie wahrgenommen haben, WAS dort und WIE historisch -symbolbewusst und inszeniert auf der Treppe zum Reichstag geschehen ist, mit welchen Hass-Worten die junge Dame K. den Ausbruch initiiert und angeheizt hat ( die Politiker seien keine Menschen, sondern Bestien ) wundert es mich sehr , dass Sie das ganze Geschehen mit so einem Halbsatz abtun möchten. Ihrer berechtigten und ideengetragenen Bewegung wird gerade diese Szene massiv schaden ! (Wie auch die kuriose verbale "Absetzung" der Bundesregierung durch Herrn Ballweg ).Eine ausdrückliche und entschiedene (!) Distanzierung gegenüber Nazi-Spruch-und Bannerträgern, AfD, Pegida, Reichsbürgern mit ihrer Staatshetze und sichtbaren Flaggen, Trump- und QAnon- Verherrlichern-- hat von Anfang an gefehlt. Obwohl sie von Anfang an dabei und immer gut sichtbar und hörbar waren.Schilderträger, wie auf der Demo am 8.8. in Stuttgart, mit der idiotischen Botschaft : "Mainstreampresse--schon wieder Holocaustkomplizen" u.a.... durften einfach so mitlaufen. Das ganze Spektrum dieser Gruppierungen, die die Demonstrationen der Friedlichen von Anfang zu unterlaufen suchten, wurde von Ihnen--auch hier im Blog--als unwichtig, als völlig marginal abgetan. Ich finde es WICHTIG, dass Sie sich wenigsten JETZT ganz klar distanzieren von all diesen höchst fragwürdigen und gefährlichen Gruppierungen.
    Denn wenn Ihre Initiative weiterhin Menschen bewegen, anziehen soll, werden Sie bei Ihrer nächsten Aktion klare Kante zeigen müssen.
    Ich wünsche uns allen, dass Hass und Gewalt nicht weiter eskalieren. Hass und Gewalt sind kein Weg. Niemals.

  • #8

    Mechtilde Kürz , Waldorfkindergärtnerin (Mittwoch, 02 September 2020 18:22)

    Liebe Coronablog - Verantwortliche,
    herzlichen Dank für Ihre informative, akribische und immer aktuelle Berichterstattung. Ich bin froh, dass hier Menschen, welche sich in der Anthroposohie beheimatet fühlen den Mut haben, sich zu der aktuellen Situation öffentlich zu äußern ,die Maßnahmen kritisch zu hinterfragen und sich der Wahrheitsuche verpflichtet fühlen. Mich macht es jeden Tag trauriger, wie wenig Bereitschaft vorhanden ist, sich auf eine sachliche, kritische und emotionsfreie Auseinandersetzung zu den ganzen Vorschriften, Maßnahmen und zur aktuellen Situation einzulassen.
    Um so dankbarer bin ich für Ihre Seite und wünsche uns allen für die kommende Zeit starke Michaelskräfte.
    Herzliche Grüße
    Mechtilde Kürz

  • #9

    Christoph Hueck (Mittwoch, 02 September 2020 18:32)

    Sehr geehrter Frau Weymann,
    vielen Dank für Ihren kritischen Kommentar. Ich gebe Ihnen Recht: mit diesen Leuten und Geschehnissen vor dem Reichstag und überhaupt mit denen, die mit rechten Fahnen mitlaufen, möchte ich nichts zu tun haben und habe ich auch nichts zu tun. Andreas Neider und ich haben sich eindeutig von jeglichen rechts- und auch linksradikalen Mitläufern der Demo am 29.8. sowie aller anderen Demos gegen die Corona-Maßnahmen distanziert. Bitte bedenken Sie, dass die Geschehnisse vor dem Reichstag von anderen Leuten als von Querdenken organisiert wurden und nichts mit der Querdenken Demonstration zu tun hatten. https://cms.e.jimdo.com/app/s47b061245f5b4c0c/p17e4329864d3b3e1?cmsEdit=1

  • #10

    Ursula Wefelscheid (Mittwoch, 02 September 2020 19:12)

    Danke für Ihre Rückmeldung.
    Es ist von Esoterikern die Rede. Das ist ja das Traurige, dass durch dieses Verhalten Anthroposophen immer mehr als Esoteriker betrachtet werden.
    Dazu etwa der folgende Artikel:
    https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/qanon-verschwoerungsideologie-zum-mitmachen-a-8656ef8e-b2dc-4b90-a09f-8cb6e4a4db19
    Daraus: "Erstens sind esoterische Alltagsüberzeugungen wie Homöopathie, Anthroposophie oder Astrologie zwar verbreitet"

  • #11

    Elsbeth Weymann, Berlin (Donnerstag, 03 September 2020 11:58)

    Danke, Herr Prof. Hueck für Ihre Antwort.Ich habe mich auch inzwischen gründlichst informiert über diese erschreckende Reichstagsfarce. Mit Ihren links und darüber hinaus. Dass Sie sich jetzt ausdrücklich verbal von allem Radikalen, egal welcher Couleur , absetzen,ist gut , richtig und schafft Vertrauen. Eine Frage bleibt mir, ob denn-- nach all den Erfahrungen mit den konkreten Unterwanderungen --die STRASSE überhaupt der Ort der Möglichkeiten einer ECHTEN Evolution sein kann ? Revolutionen und Gewalt haben noch immer " ihre Kinder gefressen". Ich grüße Sie ! Elsbeth Weymann

  • #12

    Christoph Hueck (Freitag, 04 September 2020 07:38)

    Sehr geehrte Frau Weymann,
    ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie gut es tut, wenn Fakten und Argumente tatsächlich einmal berücksichtigt werden und nicht nur aus vorgefassten Meinungen heraus dagegen geschossen wird.
    Ja, die Demonstrationen sind keine Orte für eine echte (R)Evolution, aber sie können eine solche anstoßen. Neue Ideen müssen in die Politik getragen werden. Dafür engagiere ich mich aktuell, indem ich mit anderen zusammen ein Parteiprogramm ausarbeite, das auf der Grundlage der sozialen Dreigliederung aufgebaut ist. Sobald die rechtlichen Fragen alle geklärt sind, erfahren Sie hier mehr über die Partei. Drücken Sie uns die Daumen, wir haben es nötig!

  • #13

    Ursula Wefelscheid (Freitag, 04 September 2020 10:17)

    Vielleicht haben Sie ja Recht. Wenn jedenfalls wie aus der Anti-AKW und der Friedensbewegung, aus denen die Grünen hervorgegangen sind, eine Partei entsteht, die man wählen kann, wäre das nicht schlecht. Ich jedenfalls habe mit sehr gemischten Gefühlen bei der NRW-Briefwahl ein Kreuz bei den Grünen gemacht, nachdem ich weiss, dass Robert Habeck für eine Impfpflicht gegen Corona ist. Für Masken und Mindestabstands (nicht für Lockdowns) bin ich trotzdem. Da gibt es auch genug Untersuchungen zu. Ursula Wefelscheid www.naturundgeist.de