Herdenimmunität und Resilienz

[Andreas Neider:] Torschlusspanik in Deutschland

Erneut wird seit Beginn der Herbstferien in Deutschland in den Medien und seitens der Politik wie schon zu Beginn der „Pandemie“ landauf landab Panik gemacht, indem einzig und allein auf steigende „Infektionszahlen“ gestarrt wird. Damit soll der Bevölkerung nun endgültig eingebläut werden, dass wir es mit einer „zweiten Welle“ zu tun haben.[1]

Auch wenn Virologen wie Hendrik Streeck[2] und der Präsident der kassenärztlichen Vereinigung Andreas Gassen[3] sowie zahlreiche weitere Wissenschaftler außerhalb des regierungsnahen RKI seit Wochen davor warnen, allein auf diese Zahlen zu schauen, die Politik bleibt im Exekutivmodus und überschlägt sich seit dem Ministerpräsidenten-Treffen im Bundeskanzleramt am 14. Oktober geradezu in Alarmismus, Verschärfung von Maßnahmen, martialischer Wortwahl, düsteren Mienen und inszenierter Untergangsstimmung.[4]

 

Nehmen die Parlamente ihre Kontrollfunktion noch wahr?

Wir zitieren hier nur zum Abgleich die bürgerlich-liberale Neue Zürcher Zeitung mit einem Kommentar des Chefredakteurs Eric Gujer vom 17. Oktober, dort heißt es:

„Dass sich Bund und einzelne Länder bedenkenlos über Selbstverständlichkeiten der Verfassungsordnung hinwegsetzten, zeigt einmal mehr, welche negativen Auswirkungen die Seuchenbekämpfung auf das Rechtsempfinden hat. Im Lockdown gewöhnte man sich daran, dass die Exekutive weitgehende Kompetenzen beansprucht. Bürger wurden in ihrem Staat eingesperrt, Unternehmen zwangsweise stillgelegt.

Staatliche Beinahe-Allmacht war in der Anfangsphase der Pandemie noch vertretbar im Sinne eines Notstandes. Nach acht Monaten Erfahrung mit dem Virus kann niemand mehr von einer akuten Notsituation reden. Regierungen und Gesundheitsbehörden hatten genug Zeit, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Dass im Herbst die Fallzahlen wieder ansteigen würden, wurde bereits im Frühjahr prognostiziert.

Wenn sich die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten treffen und weitgehende Maßnahmen ohne Einbezug der Parlamente verhängen, so ist das nicht der Not geschuldet. Es geschieht mit voller Absicht. Die Exekutive nutzt die Krise, um die Gewichte zwischen den Verfassungsorganen zu verschieben. Es ist eine schleichende Form der Amtsanmaßung.

Natürlich verteidigt Kanzleramtsminister Helge Braun das Vorgehen. Schließlich hält sich das Kanzleramt immer für zuständig, gleichgültig, ob es um die Besetzung der Thüringer Staatskanzlei geht oder die Gesundheitspolitik.[5]

Die Parlamente und die Bürger dürfen das nicht hinnehmen. Die Opposition fordert seit langem eine angemessene Beteiligung des Bundestages an den Corona-Entscheidungen. Auch die Fraktionen von Union und SPD sollten darauf bestehen, dass Freiheitsbeschränkungen nicht der Willkür der Exekutive überlassen bleiben. Der Freifahrtschein, den sie der Regierung ausgestellt haben, lässt daran zweifeln, dass sie es mit der parlamentarischen Kontrolle sonderlich ernst meinen.“

Mittlerweile hat sich auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in diesem Sinne in  die Debatte eingemischt. Er ist massiv unzufrieden mit der Regierungspolitik von Merkel, Spahn und den Ministerpräsidenten, und es sind drei Dinge, die ihn stören: 1. „Er sieht das Prinzip der Gewaltenteilung beschädigt, weil Regierung und Ministerpräsidenten immer neue einsame Entscheidungen treffen, die, wie das Beherbergungsverbot, von den Gerichten korrigiert werden müssen. 2. Er sieht die Akzeptanz der Corona-Politik in der Bevölkerung schwinden und glaubt, dass dieser Vertrauensverlust mutwillig durch die Nichtbefassung des Parlaments provoziert wurde. Nur die Zustimmung frei gewählter Abgeordnete könnte den Eingriff in die Grundrechte rechtfertigen. 3. Er glaubt, dass sich Merkel und ihre Chefärzte mit der starren Fixierung auf die virologisch relevanten Parameter verrannt haben. Nur eine breite Befassung des Bundestages könne die Vielzahl der Interessen und Stimmungen erfassen und ausbalancieren. Darin genau liege ja die Schönheit der Demokratie. Seine Stellvertreter und alle Fraktionen im Bundestag stehen geschlossen hinter Schäuble.“[6]

 

Die Zahlen realistisch betrachtet

Grund für die Panik und den daraus resultierenden „Maskenaktionismus“ sind einmal mehr die Zahlen sowie die panische Angst vor einem zweiten Lockdown – ein selbst gebauter Teufelskreis, wie sich anhand der Zahlen zeigt.  Werfen wir also einen Blick darauf und vergleichen wir diese mit der deutlich anderen Situation im Frühjahr:[7]

KW

Testanzahl

Positive

in %

Verstorbene

in %
(CFR)

2 Wo.-
Verschiebung

13

361.000

31.000

8,7

600

1,91

n.d.

14

408.000

37.000

9

1365

3,7

5,73

15

380.000

31.000

8,1

1738

5,64

5,64

16

332.000

22.000

6,6

1593

7,21

4,31

17

363.000

18.000

5

1161

6,42

3,77

18

363.000

12.600

3,9

781

6,19

3,55

39

1.170.000

14.000

1,2

71

0,5

0,71

40

1.100.000

18.000

1,6

72

0,39

0,55

41

1.186.000

29.000

2,5

86

0,3

0,62

42

1.196.000

43.000

3,6

162

0,37

0,9

 

Erläuterungen: In Spalte 1 ist die KW angegeben, in Spalte 2 die Testzahlen (Zahlen gerundet), Spalte 3 zeigt die positiv Getesteten („Infizierte“), Spalte 4 den Anteil der Positiven in %, Spalte 5 nennt die Anzahl der Verstorbenen, Spalte 6, den Anteil der Verstorbenen an den Infizierten in % (CFR-Wert), letzte Spalte CFR-Wert mit 2-Wochen Verschiebung, zum Verständnis siehe unten.

 

Hier zeigen sich drei wichtige Zusammenhänge:

1. Die Testzahlen wurden gegenüber dem Frühjahr nahezu verdreifacht! Insofern sollten wir auch verdreifachte Zahlen bei den Infizierten haben, allerdings nur unter der Bedingung von gleichen Positivraten. Sind die Positivraten jedoch niedriger als im Frühjahr, dann muss die Zahl der Infizierten bei dreifacher Testzahl natürlich entsprechend niedriger ausfallen als im Frühjahr.[8]

2. Die Positivraten sind im Vergleich zum Frühjahr momentan tatsächlich deutlich niedriger, auch wenn sie tendenziell wieder steigen.

3. Der Anteil der Verstorbenen an den Infizierten (CFR-Wert) ist deutlich niedriger als im Frühjahr.

Um die Zahlen aber noch besser beurteilen zu können, haben wir den CFR-Wert zusätzlich mit jeweils 2 Wochen Verschiebung berechnet. Warum? Ausgehend davon, dass die an COVID-19 Versterbenden aufgrund des Corona-spezifischen Krankheitsverlaufes etwa zwei Wochen nach dem Zeitpunkt, an dem sie positiv getestet wurden, versterben, haben wir die Zahlen der positiv Getesteten mit den Zahlen der zwei Wochen später Verstorbenen korreliert. Daraus ergibt sich im zeitlichen Verlauf ein CFR-Wert, der in etwa dem realen Anteil von Verstorbenen an den jeweils Infizierten entspricht. Dadurch verschiebt sich auch das Verhältnis zu den CFR-Werten im Frühjahr.

Verdeutlichen wir uns das oben Beschriebene an einem Vergleich zweier KW mit etwa gleichen Positivraten:

KW

Testanzahl

Positive

in %

Verstorbene

in %
(CFR)

2 Wo.-
Verschiebung

18

363.000

12.600

3,86

781

6,19

3,55

42

1.196.000

43.000

3,62

162

0,37

0,9

 

Erläuterung: In KW 18 wurden etwa 363.000 Menschen getestet, davon waren 3,86% positiv = 12.600. Verstorben sind in KW 18 genau 781 Menschen. Korreliert man diese mit den Infizierten zwei Wochen davor, dann ergibt sich ein CFR-Wert von 3,55%. Für die KW 42 ergeben sich bei 1.196.000 Tests 43.000 Positive, im Verhältnis zu KW 18 das 3,4fache, entsprechend der Erhöhung der Tests (3,3fach). D.h., weil die Positivrate in etwa dieselbe ist, haben wir in KW 42 auch das 3,4fache an positiv Getesteten. Demgegenüber sterben jedoch deutlich weniger Menschen, selbst bei Berücksichtigung der zwei Wochen-Verschiebung, der CFR-Wert ist etwa viermal niedriger.

 

Das gilt es bei der momentanen Panikmache und den 7-Tage-Inzidenzien unbedingt zu berücksichtigen! Das Problem der 7-Tage-Indizidenzien, die ja die Grundlage für die Pandemie-Einstufung und die Risikogebiete sind, ist, dass die momentanen Einschränkungen einzig und allein darauf zielen, die Zahl der positiv Getesteten zu begrenzen, weil die Gesundheitsämter sonst die Nachverfolgung der Infizierten nicht mehr bewältigen könnten. Umgekehrt betrachtet: Würde man die Testzahlen wieder auf das Niveau vom Frühjahr senken, dann hätte man dieses Problem der Überlastung der Gesundheitsämter natürlich nicht! Ein selbst konstruierter Teufelszirkel also!

Außerdem müsste die Sensitivität der Tests deutlich so weit gesenkt werden, dass der Test nur noch das anzeigt, was tatsächlich krankheitserregend und mithin gefährlich sein kann. Am wichtigsten aber wäre es, endlich dazu überzugehen, eine repräsentative Bevölkerungsgruppe zu testen und die weitere Entwicklung der „Pandemie“ an dieser repräsentativen Auswahl zu beobachten, wie es Hendrik Streeck mit seinem Team im Frühjahr in Heinsberg bereits getan hat, und wie es vor allem das Netzwerk für Evidenz-basierte-Medizin immer wieder gefordert hat.[9] Zudem sollte man als kritischen Wert die Belegung von Intensivbetten anschauen, und diesen Wert als Maßstab für weitere Maßnahmen nehmen, so wie es ebenfalls Hendrik Streeck bereits im Frühjahr und auch jetzt wieder gefordert hat.[10]

 

Wodurch wird die Herdenimmunität erreicht?

Welche weitere Entwicklung sich aus den jetzigen „Infektionszahlen“ ergeben wird, kann im Moment dennoch nur sehr schwer gesagt werden. Das hängt im Wesentlichen, wie wir ja schon in den vergangenen Blogbeiträgen mehrfach dargestellt haben, von der Beschaffenheit der Immunsysteme der einzelnen Menschen in Deutschland und dem Erreichen der Herdenimmunität ab.[11] Und natürlich müssen gewisse Vorsichtsmaßnahmen, die einer auch sonst sinnvollen Hygiene entsprechen, wie das Händewaschen, das Zuhause-Bleiben bei Grippe- oder Erkältungssymptomen, die Vermeidung von unnötigen Körperkontakten bei Erkältungssymptomen, weiterhin aufrechterhalten werden. Die Masken stellen bereits seit ihrer Einführung wohl eher eine symbolisch-placebo-artige, denn eine tatsächlich wirksame Maßnahme dar, wie immer wieder von wissenschaftlicher Seite betont worden ist.[12] Womit nicht gesagt werden soll, dass Placebo-Effekte keine Wirksamkeit hätten! Auch ein lediglich eingebildeter Schutz, der eine subjektive Sicherheit vermittelt, könnte, rein psychoimmunologisch betrachtet, eine tatsächlich schützende Funktion im Sinne der psychologischen Beeinflussbarkeit des Immunsystems haben.

Ob das Infektionsgeschehen von diesen „nicht-pharmakologischen“ Maßnahmen real beeinflusst werden kann, ist dennoch nach wie vor fragwürdig.[13] Solange die staatliche Kontroll- und Regulierungswut („Kontrolle über das Infektionsgeschehen“) [14] aber nur Panik, Angst und Verwirrung stiftet, sind diese Maßnahmen im Sinne des menschlichen Immunsystems alles andere als hilfreich und daher nicht zielführend. Das Konzept der „Herdenimmunität“ kann deshalb nur funktionieren, wenn im Großen und Ganzen aus dem Panik- und Angstmodus in den Mut- und Zuversichts-Modus umgeschaltet wird!

Es ist im Moment jedenfalls immer noch davon auszugehen, dass sich COVID-19 im Endeffekt als eine mehr oder weniger „normale“ Todesursache darstellen wird, wie zahlreiche andere Todesursachen auch, an denen insgesamt jede Woche etwa 18.000 Menschen in Deutschland sterben (in KW 42 starben an COVID-19  genau 162 Menschen, also weniger als 1%). Wie zahlreiche Wissenschaftler immer wieder betont haben, werden wir lernen müssen, mit diesem wie auch mit anderen Viren zu leben. Denn auch an der Grippe und an ambulant erworbener Lungenentzündung werden in den kommenden Wochen wieder Menschen sterben, und zwar mehr als an COVID-19, wenn man die bisherigen Zahlen vergangener Jahre in Deutschland zugrunde legt.[15]

Das heißt nicht, wie schon des Öfteren in diesem Blog betont wurde, dass es sich bei COVID-19 um eine harmlose Erkrankung handeln würde, beileibe nicht. Diese Erkrankung ist für einen bestimmten Anteil der Bevölkerung sehr gefährlich und unter Umständen tödlich, abgesehen von den schweren Folgen, die eine überstandene Erkrankung nach sich ziehen kann. Das gilt aber selbstverständlich für andere schwere Erkrankungen wie eine ambulant erworbene Pneumonie oder Influenza ganz genauso.

 

Der Blick auf das Gesamtwohl

Nochmals: Anstatt permanent auf die besagten, nicht repräsentativen  Zahlen zu starren, sollte die Politik endlich lernen, wie es auch die von uns bereits positiv kommentierte „Great-Barrington-Declaration“ fordert[16], sich an dem Gesamtwohl der Bevölkerung zu orientieren und aus dem Tunnelblick auf eine einzige Erkrankung heraus kommen. Dazu gehört in erster Linie der Blick auch auf andere lebendbedrohliche Krankheiten, deren Todesrate mindestens genauso hoch ist wie die von COVID-19.[17]

Vor allem gehört zum Gesamtwohl eines Landes aber das kulturelle, wirtschaftliche und soziale Leben, das letztlich die Grundlage für das Gesamtbefinden und damit die Gesundheit aller Menschen eines Landes bildet. Die Kollateralschäden der jetzt erneut verschärften Maßnahmen in Kindergärten, Schulen, Restaurationsbetrieben, im gesamten Kulturbereich, insbesondere aber in der Musikkultur wiegen aufs Ganze gesehen sehr viel schwerer als die verhältnismäßig niedrigen Todeszahlen[18], die COVID-19 in Deutschland bislang verursacht hat.

 

Die Grundlage der Resilienz: Positivität

Deshalb sollte es der Politik, insbesondere aber der Gesundheitspolitik vor allem darum gehen, der Bevölkerung Mut zu machen und sie in ihrem Gesundheitsbewusstsein zu unterstützen, insbesondere aber alles zu unterlassen, was das Immunsystem nachweislich schwächt, und das ist in allererster Linie die Angsterzeugung durch sogenannte  Furchtappelle![19] Vor allem aber gilt es in dieser Gesundheitskrise, die letztlich Ausdruck einer globalen Identitäts- und Beziehungskrise der Menschheit ist, endlich zu begreifen, wodurch Gesundheit entsteht.

Die Salutogenese, wir haben es in den bisherigen Blogbeiträgen schon mehrfach erwähnt, lehrt uns, dass Widerstandskraft oder „Resilienz“, das heißt, Immunität, auf allen drei Ebenen unseres Daseins, leiblich, seelisch und geistig, dadurch erreicht wird, dass wir uns mit unserer Umwelt in Kohärenz, d.h. in friedlicher Übereinstimmung befinden. Durch Kohärenz bildet sich Resilienz, d.h. die Widerstandsfähigkeit sowohl auf leiblicher, wie auf seelisch-geistiger Ebene. Denn alle drei Ebenen wirken im Menschen nun einmal als ein Ganzes zusammen.[20]

Diese hier aufgestellten Thesen werden aktuell nun auch durch die wissenschaftliche Forschung in Deutschland  kräftig unterstützt. So stellte Prof. Oliver Tüscher, Gruppenleiter am Leibniz-Institut für Resilienz-Forschung (LIR) in Mainz in einer groß angelegten Untersuchung während des Lockdowns anhand von 5.000 Fragebögen fest, dass der wichtigste Resilienzfaktor bei den Befragten nicht allein eine positive Haltung gegenüber der Corona-Krise war, sondern eine Haltung, die „davon ausging, dass darin auch etwas Gutes steckt. Dieser feine Unterschied zeigte sich etwa daran, dass die Befragten sogar annahmen, die Corona-Pandemie könne sie etwas für ihr Leben lehren.“[21]

„Das ist in unsicheren Zeiten wie diesen eine gute Nachricht. Auch wenn die Corona-Krise uns vieles aufzwingt, vollständig ausgeliefert sind wir ihr offenbar nicht.“[22] Das legten auch die anderen Schutzfaktoren nahe, die Oliver Tüscher und sein Team bei ihren Befragungen entdeckten. Denn zusätzlich zur Positivität wirken die Unterstützung durch andere Menschen, ein grundsätzliches Vertrauen in die Zukunft, und auch die sogenannte Selbstwirksamkeitserwartung, also die Überzeugung, sein Geschick selbst beeinflussen und durch Handeln etwas bewirken zu können, positiv auf die Resilienzkraft der Menschen.

 

Resilienz als Gesundheitsfaktor einer Menschengemeinschaft

Interessant ist aber nun noch eine weitergehende Frage der Forscher aus Mainz, die das von uns oben Dargestellte ebenfalls unterstützt: „Kann man das Prinzip der Resilienz auch auf eine ganze Nation anwenden?“ „Ja“, sagt Gruppenleiter Raffael Kalisch vom LIR. „Dabei spielt es eine große Rolle, mit welcher Einstellung eine Gesellschaft auf die Krise blickt, in der sie steckt. Deshalb ist es so wichtig, wie Politiker kommunizieren und Medien berichten.“[23]

Umgekehrt beeinflusst die kollektive Angst, die vor allem auch durch die Politik und die Medien ausgelöst und verstärkt werden kann, nicht nur die seelische, sondern nachweislich auch die körperliche Resilienz einer Gesellschaft in negativer Weise, die aber die Voraussetzung dafür ist, eine Pandemie wirksam bekämpfen zu können: „Eine Gesellschaft in Angst, so das Fazit der Forschungen am LIR, ist nicht nur schutzloser, weil der seelische Druck durch Furcht noch größer wird. Sie kann auch in einen  Teufelskreis geraten, in dem sich Angst und Verdrängung gegenseitig verstärken. So paradox es klingen mag:  Wo die Furcht regiert, vernachlässigen Menschen Schutzmaßnahmen und behindern medizinische Behandlungen.“[24] Umgekehrt entsteht Resilienz eben da, wo auch gesamtgesellschaftlich Zuversicht, Unterstützung und Solidarität vorherrschen! Kurzum, Resilienz entsteht hauptsächlich aus der Kraft positiver Gedanken und Taten, einer Eigenschaft, die auch im Zusammenhang der Ausbildung der anthroposophischen Meditation eine große Rolle spielt, und durch bestimmte sogenannte „Neben-Übungen“ ausgebildet werden kann.[25]

Abschließend noch ein schönes Beispiel für Positivität und Resilienz-Ausbildung aus dem Musikunterricht der Bremer Waldorfschule, von dem in der „Zeit“ vom 18. Oktober[26] die Musiklehrerin Corinna Jacob berichtete. Sie zeigt, wie man trotz unsäglicher Bedingungen etwas Positives aus der momentanen Lage machen kann.

 

Ein Teil der Klasse flötet im Blumenbeet

„Für den Musikunterricht gelten momentan leider besonders strenge Regeln. Singen und Musizieren ist natürlich nur noch eingeschränkt möglich, aber für mich war es keine Option, gerade jetzt darauf zu verzichten und reinen Theorieunterricht abzuhalten. Das träfe meiner Meinung nach nicht den Wesenskern der Musik, gemeinsames Musizieren schafft Zusammenhalt, nährt die Seele. Diese Qualitäten sind in diesen Zeiten besonders wichtig für die Schülerinnen und Schüler, für uns alle.

Bei uns sind in der Regel um die 30 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse, zum Glück werden sie für viele Fächer in Halbgruppen aufgeteilt, auch im Musikunterricht. So kann ich die Halbgruppe in dem hygienisch geforderten Maß weiter aufteilen unter Erweiterung des Raumangebots durch weit geöffnete Türen und Fenster. 

So flötet dann eine Gruppe draußen vor dem offenen Fenster im Blumenbeet, während ich drinnen die Sänger so verteilen kann, dass sie genügend Sicherheitsabstand halten. Der Aufwand lohnt sich, es entsteht gemeinsamer Klang! Solange das Wetter es zulässt, werden wir das auch weiter machen, es gibt ja Jacken und Pullis. Mit den kleineren Kindern singe ich jetzt oft einfach sehr leise, fast nur für das eigene Ohr. Ich mache ein Spiel daraus. Sie müssen ihren Finger vor den Mund halten, sodass sie selbst beim Singen den Luftstrom spüren. Die Kleinen haben ein Bewusstsein dafür, dass sie nicht zu viel Atem in die Luft 'pusten', und ein zauberhaftes gemeinsames Klangerlebnis stellt sich dennoch ein, auch schon beim Summen.“

Andreas Neider 

 

 


[1] Vgl. zur Fragwürdigkeit einer „zweiten Welle“: https://multipolar-magazin.de/artikel/die-maskenpflicht

[2] https://www.cicero.de/innenpolitik/deutschland-pandemie-lockerungen-hendrik-streeck-tests-querdenker

https://www.express.de/news/panorama/lage-ernst--aber----virologe-streeck-hat-klare-meinung-zu-corona-lage-und-massnahmen-37488920

[3] https://mobil.nwzonline.de/interview/interview-zu-corona-massnahmen-kassenarzt-chef-gassen-panik-hilft-uns-auch-nicht_a_50,10,1960845829.html

[4] Vgl. dazu das „Merkelportal“ von T-Online: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_88749674/corona-gipfel-der-heimliche-triumph-der-kanzlerin-angela-merkel.html

https://www.t-online.de/nachrichten/id_88747698/corona-gipfel-reichen-die-neuen-regeln-von-bund-und-laendern-.html

https://www.t-online.de/nachrichten/id_88741100/vor-laender-treff-mit-merkel-die-corona-furchtappelle-haben-einen-haken.html

[5] Nebenbei bemerkt plant Helge Braun schon seit 2019 eine Erweiterung des Bundeskanzleramts im Stile eines Präsidenten-Palastes. Siehe dazu: https://www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/kanzleramt/erweiterungsbau . Geschätzte Kosten vorläufig 600 Millionen! https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/erweiterung-des-kanzleramts-verteuert-sich-um-116-millionen-li.110946 Das sind angesichts der 100 Milliarden Neuverschuldung des Bundes in diesem Jahr aber wohl nur noch Peanuts in den Augen der derzeitigen Berliner Machthaber. Im Schatten solchen Größenwahns versucht sich Herr Spahn dauerhafte Alleinherrschaftsrechte zu sichern: https://www.sueddeutsche.de/politik/jens-spahn-gesetz-pandemie-1.5079500. Ein Schelm, der sich dabei an gewisse Vorbilder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnert fühlt, als der Größenwahn in Deutschland Hochkonjunktur hatte.

[6] Zitiert nach Gabor Steingarts Morningbriefing: https://news.gaborsteingart.com/online.php?u=j5jvnwA7073

[7] Quelle: http://corona-info-deutschland.rf.gd/?i=2

[8] Zum Verständnis: 300.000 Tests bei einer Positivrate von 9% ergeben 27.000 Infizierte; 900.000 Tests bei einer Rate von 3% ergeben ebenfalls 27.000 Infizierte, vorausgesetzt, dass die Testmethode immer dieselbe ist. Wird die Testsensivität jedoch erhöht, erhält man auf diese Weise natürlich auch eine höhere Positivrate und manipuliert dadurch die Zahlen in erheblichem Ausmaß. Siehe dazu: https://www.rubikon.news/artikel/die-nonsens-tests

[9] https://www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/covid-19

[10] https://web.de/magazine/news/coronavirus/corona-pandemie-virologe-hendrik-streeck-virus-ueberdramatisieren-35144824 Nochmals zur Erinnerung: Die deutschen Kliniken waren zu keinem Zeitpunkt der Corona-Krise überlastet! Am 21.10. waren von 21.500 belegten Intensivbetten lediglich 940 mit COVID-19-Patienten belegt, also 4,4%!

[11] Hierzu eine vorsichtig-hypothetische Berechnung beruhend auf dem aktuellen Forschungsstand zur Herdenimmunität, der jedoch äußerst komplex ist. Siehe dazu auch: https://tkp.at/2020/08/18/herdenimmunitaet-ist-der-schluessel-im-kampf-gegen-covid-19/ 

Dazu noch eine Unterscheidung: Case Fatality Rate (CFR) meint die Sterblichkeitsrate ausgehend von den erkannten Infektionen. Infection Fatality Rate (IFR) meint die Sterblichkeit im Verhältnis zur geschätzten Gesamtzahl an Infizierten aufgrund von Antikörperstudien. Ginge man in Deutschland von einer IFR von 0,2% aus, was die jüngste Metastudie von Prof. Ioannidis an der Stanford University nahelegt (https://www.who.int/bulletin/online_first/BLT.20.265892.pdf

https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/forscher-corona-sterblichkeit-betraegt-023-prozent-li.111917 ), dann hätten sich in Deutschland bereits 5 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, wovon 10 Tsd. Menschen (5 Millionen x 0,2=10.000 Verstorbene) aufgrund fehlender Immunität gestorben sind.

Rechnet man nun aber die vorhandene Kreuzimmunität aufgrund von T-Zellen bei allen Nichtinfizierten in Höhe von bis zu etwa 50% der Bevölkerung hinzu (https://www.bmj.com/content/370/bmj.m3563 ), dann blieben etwa 38 Millionen Menschen in Deutschland, die bisher über keine T-Zellen-Immunität verfügen würden: 81 Mill. minus 5 Mill.=76 Mill. mal 50% ergibt 38 Mill. Von diesen können sich jedoch unter normalen Umständen nach Erreichen der Herdenimmunität nicht mehr alle Menschen infizieren. Man schätzt die Herdenimmunität bei COVID-19 auf etwa 60% der Bevölkerung, das wären in Deutschland 49 Millionen Menschen. (https://www.spektrum.de/news/die-knifflige-sache-mit-der-herdenimmunitaet/1749744 ). Wir hätten in Deutschland also 5 Mill. bereits Infizierte plus hypothetisch angenommene 38 Millionen T-Zellenträger, zusammen also etwa 43 Millionen. Das ergäbe dann eine Differenz von 6 Millionen Menschen als potentiell noch Gefährdete. In dieser gefährdeten Gruppe sind realiter nur Menschen über 60 Jahren gefährdet, je älter desto mehr. Diese müssen natürlich weiterhin geschützt werden, wie es auch die „Great Barrington-Declaration“ gefordert hat (siehe unseren Blogbeitrag vom 14.10.).

Bei 0,2% IFR ergäben sich unter diesen Voraussetzungen potenziell also etwa 12.000 weitere Todesopfer durch COVID-19 in Deutschland. Zusammen mit den bislang Verstorbenen ergäbe sich wiederum eine Gesamtzahl von etwa 22.000 Todesopfern bis zum Erreichen der Herdenimmunität, was in etwa der Zahl von Todesopfern entspricht, die jedes Jahr durch Pneumonie und Influenza in Deutschland gefordert werden, wobei auch noch der Zeitraum, in dem das geschieht, eine große Rolle spielt. (Siehe dazu auch unseren Blogbeitrag vom 14.10.) 

ACHTUNG: Da die T-Zellen-Kreuzimmunität jedoch deutlichen zeitlichen Schwankungen aufgrund von seelischen (Angst), biologischen (Kälte) und zahlreichen weiteren Faktoren unterliegt, also auch deutlich unter 50% liegen kann, müssen diese Zahlen natürlich mit äußerster Vorsicht betrachtet werden! Sie dürfen unter keinen Umständen als gesicherte Zahlen betrachtet werden, sondern können nur in eine Richtung deuten, die einen Lichtstreifen am Horizont aufzeigt. Im Endeffekt kommt es immer auf die einzelnen Menschen an, denn jeder Krankheitsverlauf ist vollkommen individuell, und Verallgemeinerungen verschleiern, ebenso wie alle statistischen Zahlen, die eigentliche Wirklichkeit, die sich letztlich immer im einzelnen Menschen ereignet. Vgl. dazu auch unseren Blogbeitrag vom 29.9.

[12] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2020/daz-33-2020/hauptsache-maske

[13] Vgl. https://www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/covid-19

[14] Hartmut Rosa spricht in diesem Zusammenhang schon seit längerem von einem naturwissenschaftlichen Verfügbarkeitswahn, dem sich die Natur jedoch durch ihre Unverfügbarkeit entzieht. Vgl. H. Rosa, Unverfügbarkeit, Wien 2018.

[15] In Deutschland sind 2018 etwa 23.000 Menschen an Infektionen der unteren Atemwege, also ambulant erworbene, kontagiöse Pneumonie und Influenza gestorben. Quelle: https://www.worldlifeexpectancy.com/world-rankings-total-deaths

[16] Sie dazu unseren Blog-Beitrag vom 14. Oktober.

[17] Vgl. Anm. 15.

[18] Vgl. https://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2020/10/z2065.png

[19] Vgl. dazu das aktuelle Heft von GEO-kompakt, Nr. 64: Die Kraft der Zuversicht. Wie positives Denken unseren Körper und unsere Seele stärkt.

[20] Siehe dazu auch: Rudolf Steiner, Quellen der Gesundheit, hrsg. von Andreas Neider, Stuttgart 2003; sowie: Michaela Glöckler, Kita, Kindergarten und Schule als Orte gesunder Entwicklung, Stuttgart, 2. Auflage 2020. Außerdem auch den sehr lesenswerten Artikel aus der TAZ vom 17.10. 2020 von Wolfgang Müller zum Salutogenese-Verständnis der Anthroposophie:  https://taz.de/Hygiene-und-ihr-Gegenstueck/!5718423/

[21] Geo-kompakt, a.a.O., S. 61.  Siehe dazu auch: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1160-5770

[22] Ebd., S. 62.

[23] Ebd., S. 63.

[24] Ebd., S. 64

[25] Siehe dazu Florin Lowndes, Die Belebung des Herzchakra. Ein Leitfaden zu den Nebenübungen Rudolf Steiners, Stuttgart 4. Auflage 2020, sowie: Andreas Neider, Denken mit dem Herzen. Wie wir unsere Gedanken aus dem Kopf befreien können, Stuttgart 2019.

Die Akanthos-Akademie bemüht sich deshalb mit ihren Forschungen und publizistischen Beiträgen auch in der Corona-Krise darum, diese Kräfte wirksam zu unterstützen.

Zum Thema der Immunität erscheint Ende November das dritte Corona-Buch der Akanthos Akademie Edition Zeitfragen mit Michaela Glöckler, Thomas Hardtmuth, Christoph Hueck, Andreas Neider und Hartmut Ramm: Corona und die menschliche Immunität. Mut machende Gedanken, wissenschaftliche Einsichten und soziale Ideen zur Überwindung der Corona-Krise.

[26] https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2020-10/schulen-corona-herbst-vorbereitung-hygienekonzepte-ausstattung-soziale-ungleichheit-lueften#ein-teil-der-klasse-floetet-im-blumenbeet

 

 

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