Bundesregierung sieht keinen Zusammenhang zwischen rechter Szene und Anthroposophen

Entgegen dem von einigen Leitmedien[i] behaupteten und auch innerhalb der eigenen Reihen[ii] hergestellten Zusammenhang zwischen der rechten Szene und den Anthroposophen bei den Protesten gegen die Corona-Politik hat die Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage der Grünenfraktion im Bundestag nun geantwortet, ihr seien solche Zusammenhänge nicht bekannt.

 

In der Anfrage der Grünen[iii] geht es um die genaueren Zusammenhänge der sogenannten „Querdenken“-Demonstrationen und ihrem möglicherweise rechten Hintergrund. Der die Anthroposophen betreffende Punkt der Anfrage lautete:

 

„30. Welche  Allianzen  sind  der  Bundesregierung  zwischen  radikalen  oder rechtsextremen  Gegnern  der  Corona-Maßnahmen  und  anthroposophischen Gruppen bekannt, und wie schätzt sie das diesbezügliche Gefahrenpotenzial  ein  angesichts  der  Tatsache,  dass  die  Anthroposophie  in Deutschland ein weitreichendes Netzwerk aus Firmen, Stiftungen und öffentlichen Einrichtungen unterhält (vgl. https://plus.tagesspiegel.de/wissen/gefaehrliche-naehe-zu-extremem-gedankengut-was-gegner-der-corona-massnahmen-eint-50450.html ; https://taz.de/Waldorfschulen-und-Corona/!5731231/  und vgl. https://www.zeit.de/kultur/2020-09/querdenken-demo-corona-protest-rechtsradikale-linksradikale-b2908?utm_referrer=https%3A%2F%2Fhpd.de%2F)?

 

Antwort: Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.“

 

Es ist immerhin bemerkenswert, dass die Bundesregierung selbst den geäußerten Vermutungen nicht zustimmt, auch wenn sie auf die anderen Punkte der Anfrage bzgl. einer rechtsextremen Beteiligung an den Corona-Protesten sehr ausführlich und zustimmend antwortet. Insofern sollten diejenigen Medien und auch die internen Gremien, die versuchen, einen solchen Zusammenhang herzustellen,  diese Ansicht der Regierung zu mindestens zur Kenntnis nehmen.

 

Andreas Neider

 


[ii] Am 19. Februar 2021 wurde vom Arbeitskreis  für eine offene Gesellschaft – gegen politischen Extremismus und Populismus innerhalb des Bundes der Freien Waldorfschulen ein Online-Themenabend mit dem Titel „Umgang mit Corona: Impfskepsis, Querdenken, Klagepaten – ein Einfallstor für Populisten und Rechte an Waldorfschulen?“ veranstaltet, bei dem eine Nähe von bestimmten Anthroposophen zur rechten Szene behauptet wurde.

 [iii] Die kleine Anfrage trug den Titel: „Gefahr durch rechtsextreme und verschwörungsideologische Instrumentalisierung der Anti-Corona-Politik-Demonstrationen“ https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/259/1925993.pdf

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Andreas Kiepke (Samstag, 20 Februar 2021 20:22)

    Lieber Andreas Neider, dass "der Bundesregierung ... keine Erkenntnisse vorliegen", bedeutet ja nur, dass in den Akten keine belastbaren Informationen und Vorgänge vorhanden sind. Es heisst soviel wie "keine Ahnung", klingt aber staatstragender. Deine Paraphrasierung, "dass die Bundesregierung ... den ... Vermutungen nicht zustimmt", geht darüber deutlich hinaus und ist insofern irreführend. Deine Paraphrasierung suggeriert eine Ablehnung der Aussagen, während der Originatext lediglich neutral ist. Jedoch enthält die Bundestagsdrucksache im vorhergehenden Absatz die, wie ich meine, aufschlussreiche Passage: "Seit Beginn der Corona-Krise versuchen rechtsextreme Akteure aktiv, den bei Demonstrationsteilnehmenden aus dem esoterischen oder verschwörungsideologischen Milieu bestehenden Unmut über die Maßnahmen zum Infektionsschutz und über Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens zu nutzen. Dies geschieht sowohl in den sozialen Medien als auch im Rahmen von Demonstrationen. In diesem Kontext ist es nicht ausgeschlossen, dass Esoteriker und Verschwörungsideologen sich zusätzliches radikales Gedankengut aneignen." Hier ist zwar allgemein von "Esoterikern" die Rede und von Verschwörungsideologen. Meine Beobachtungen aus dem letzten Jahr haben bei mir den Eindruck entstehen lassen, dass es auch unter den Anthroposophen zahlreiche Menschen gibt, die sich im genannten Sinne haben indoktrinieren lassen bzw. die sich so oder auch verschwörungsideologisch selbst öffentlich geäußert haben. Eine Entlastung im Sinne der Anfrage, wie von Dir nahegelegt, kann ich daher, wenn überhaupt, allenfalls für die verfasste bzw. institutionalisierte Anthroposophie erkennen, auf die sich die Antwort der Bundesregierung ja auch tatsächlich bezieht, nicht jedoch für eine Vielzahl von Menschen, die sich selbst als der Anthroposophie nahestehend bezeichnen würden. Beste Grüße, Andreas

  • #2

    Andreas Neider (Samstag, 20 Februar 2021 22:06)

    Lieber Andreas,
    die Anfrage differenziert ja extra sehr genau zwischen Anthroposophen und Esoterikern.
    Und daher ist es auch richtig, was ich geschrieben habe, dass der Bundesregierung keinerlei Informationen über "Allianzen zwischen rechtsextremen Gegnern der Corona-Maßnahmen und anthroposophischen Gruppen" vorliegen.
    Im Übrigen wird den Anthroposophen im Allgemeinen nicht vorgweworfen, esoterisches Gedankengut zu verbreiten, sondern die Gedanken von Rudolf Steiner, dem wiederum Rassismus und anderes mehr unterschoben wird.
    Wie würdest Du es denn bezeichnen, dass Steiner die Viren gar nicht als Ursache von Grippe-Pandemien angesehen hat, sondern die erkrankten Organismen der Menschen? Ist das Esoterik oder Verschwörungstheorie?
    Als Anthroposophen sind wir es doch mehr oder weniger gewohnt, zumindestens belächelt, wenn nicht eben angegriffen zu werden, weil wir zum Beispiel auch den Reinkarnationsgedanken vertreten.
    Bei der Anfrage aber ging es um eine mögliche Verbindung zu rechtsextremen Gruppierungen, zu denen eben nach Kenntis der Bundesregierung kein Zusammenhang, besteht.